Pilgrim’s lobt den 5. August: „Wenn du nach draußen gehst…“
Heute Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, las Chefredakteurin und Texterin Lucy Holl eine Seite aus „Seasons of Life: a contemporary book of hours and pilgrims in the Stevenskerk“.Es war die vierte Pilgerlobeshymne, ein Moment der Besinnung bei Sonnenaufgang, jeden ersten Samstag im Monat. Ein Bericht des Pioniers Damiaan Messing.
Es fällt mir schwer, aus dem Bett zu kommen: Es ist 5:30 Uhr an einem Samstagmorgen mitten in den Ferien. Ich ziehe mich an und laufe los. Draußen finde ich menschenleere Straßen. Das Licht ist schon da, aber die Nacht ist noch nicht vorbei. Die Lichter der Stadt brennen noch und ein Hauch von Dämmerung liegt über Steinen und Bäumen. Eine Amsel singt, während ein junges Pärchen aufgeregt aus dem Zentrum radelt. Pfeife: Die Laternen gehen aus.
Ich sehe zwei verstreute Waggons auf einer ansonsten stark befahrenen Straße, die sonst ruhig ist. Überall dieses sanfte Licht des Morgens, das alles freundlich macht, lässt es wohltuend aussehen. Langsam färbt sich der Himmel auf einer Seite des Himmels orange. Ich biege um die Ecke einer Einkaufsstraße: Zwischen den Fassaden ragt die Stevenkerk hoch über die Dächer.
Es ist fünf Minuten vor sechs, eine Stunde später sind schon zwei Pilger zurück. Hinter dem Kirchturm Grautöne. In den wenigen Minuten, die ich über das Kopfsteinpflaster zur Kirche laufe, deutet die Sonne hinter mir einige Wolken an.
Mit etwa neun Personen betreten wir die Kirche und gehen langsam durch die verlassene Kirche. Mit einer graziösen Geste hebt der Stevenspedel das Stundenbuch aus der Schalung und schmeichelt ihm auf ein Rednerpult. Der diensthabende Leser schließt sich uns an:
„Wenn du nach draußen gehst…
„Wenn du rausgehst, gehst du nicht rein.“
Als ich es einmal las, fand ich, dass diese polare Behauptung nicht zu leugnen ist.
Es sei denn, Sie sind ein Pilger? Denn dann gehst du im wahrsten Sinne des Wortes nach draußen, eben mit der Absicht, mit Aufmerksamkeit deinen inneren Weg zu gehen.
Wenn du so nach draußen gehst, spielt das, was sich noch nicht beruhigt hat, automatisch in dir hoch. Und um dich herum bietet die Natur Metaphern, die etwas in dir berühren. Manchmal sieht man sich in einer ausgehöhlten, krummen Kopfweide gespiegelt, die mit ihren geraden Halmen in die Luft ragt. Ein anderes Mal glaubt man, etwas in einer ruhenden Kuh zu erkennen, die wunderbar wiederkäuet.
Es ist schon eine Kunst, beim Gehen das Denken loszulassen, das Kommende kommen zu lassen und wieder loszulassen. Langsam wird man sich der Stille bewusst und immer weniger einer engen Trennung zwischen innen und außen. Möglicherweise Schritt für Schritt, um weniger gespalten zu sein, um mehr eins zu sein.
Trinette van Schijndel, bildende Künstlerin (link)
In: Jahreszeiten des Lebens: Ein zeitgenössisches Stundenbuch und Pilger. See
Die nächste Pilgerlaude findet am Samstag, den 1. September um 6.48 Uhr statt.
Diensthabende Vorleserin: Lucy Holl: link






